Moderator:
Der schlimmste Albtraum für jeden Unternehmer: Kunden bezahlen ihre Rechnungen zu spät oder gar nicht. Welche ersten Schritte man setzen kann, wenn Kunden nicht zahlen, verrät Barbara Wiesler, Leiterin des KSV 1870 in Kärnten.

O-Ton Barbara Wiesler:
Wichtig ist vor allem immer ein enger Kontakt zu dem Kunden. Stellt man nämlich fest dass Unregelmäßigkeiten auftreten, wie zum Beispiel dass die Rechnung nochmals angefordert wird, es zu künstlichen Reklamationen kommt, die Bankeinzüge nicht eingelöst werden, der Kunde nicht erreichbar ist, es auffällige Veränderungen im Unternehmen gibt, aber keine Informationen mehr gibt, dann sollten die Alarmglocken läuten.

Moderator:
Um das Risiko von Forderungsausfällen zu minimieren, gibt es einige Tricks.

O-Ton Barbara Wiesler:
Die wichtigsten drei Tipps sind: Zeit ist Ihr Geld. Die Rechnung sofort nach Leistung legen. Der zweite Tipp ist, schieben Sie nichts auf die lange Bank. Kundenorientiertes kontinuierliches Mahnen ist sehr wichtig. Das heißt mahnen Sie regelmäßig und konsequent. Mahnen Sie zweimal in kurzen Abständen. Am besten ersetzen Sie Ihre dritte Mahnung durch ein Telefonat.

Der dritte wichtige Tipp ist noch immer, der Kunde verdient immer die volle Aufmerksamkeit. Man muss einfach eine Reklamation, eine Einwendung rasch bearbeiten.

Moderator:
Ein besonders heikles Thema ist die Kommunikation mit dem Kunden. Hier muss man Fingerspitzengefühl beweisen, denn man möchte schließlich die Geschäftsbeziehung mit dem Kunden aufrecht erhalten. Deshalb sollten Mahnungen immer höflich und respektvoll gehalten werden. Trotzdem sollten die wichtigsten Fragen geklärt werden.

O-Ton Barbara Wiesler:
Die wichtigste Frage ist zum Beispiel, warum die Forderung noch nicht beglichen wurde? Ganz wichtig ist auch immer das Datum des Zahlungseinganges. Dann gibt es noch diese sogenannte Gegenstandsklausel. Was bedeutet das? Es kann ja sein, dass der Kunde die Forderung bezahlt hat. Dann sollte man hineinschreiben: Sollte sich dieses Schreiben mit der Zahlung überschnitten haben, betrachten Sie dieses Schreiben als gegenstandslos.

Moderator:
Für WIFI-Coach Gerhard Giermeier ist besonders die rasche Rechnungslegung ein wesentlicher Punkt.

O-Ton Gerhard Giermeier:
Es hapert an der schnellen Faktorierung in der Praxis häufig. Man kann daher eindeutig den Unternehmen den Rat geben, darauf zu achten, dass schnell nach Abschluss ihrer Leistungen oder Lieferung ihrer Produkte die Rechnungen gestellt werden.

Moderator:
Das Verkaufen von Außenständen an andere Unternehmen, das sogenannte „Factoring“, ist eine für Giermeier gute Möglichkeit, um schnell an das ausstehende Geld zu gelangen.

O-Ton Gerhard Giermeier:
Factoring kann auf jeden Fall sehr zweckdienlich sein, um die Liquidität eines Unternehmens zu verbessern. Dadurch, dass Forderungen eines Unternehmens abgetreten werden an eine Factoring-Bank, kommt es zu einer schnellen Umwandlung dieser Forderungen in Liquidität, in Cash.

Moderator:
Dadurch kann das Unternehmen eventuell selber wieder innerhalb der Skontofristen zahlen und somit seine Rentabilität steigern. Ein weiteres Hilfsmittel in Sachen offene Forderungen ist das Inkassobüro.

O-Ton Barbara Wiesler:
Ein Inkassobüro ist ein Unternehmen, das dem Unternehmer hilft ausständigen Forderungen einbringlich zu machen. Natürlich je früher desto besser. Übergeben Sie offenen Forderungen rasch zum Inkasso. Ab 180 Tagen Überfälligkeit sinkt nämlich die Einbringlichkeit auf unter zehn Prozent.

Moderator:
Der schlimmste Fall ist, dass Forderungen nicht mehr beglichen werden. Man unterscheidet dabei zwischen Forderungen, die zum Teil oder gänzlich uneinbringlich sind.

O-Ton Gerhard Giermeier:
Denn dieser Ausfall dieser Forderungen, beziehungsweise die eventuelle Insolvenz eines Kunden kann auch zu einer Bedrohung für das eigene Unternehmen werden. Viele Instrumente im Forderungsmanagement können ganz wesentlich dazu beitragen das Forderungsausfallsrisiko zu minimieren. Letztendlich sind sie aber keine Garantie gegen Forderungsausfälle. Ein Restrisiko bleibt.

Moderator:
Wenn man die soeben gehörten Tipps beherzigt, dann kann man zwar nicht alle Risiken ausschalten, aber diese doch minimieren.

ACHTUNG: Die Transkripte werden direkt von den Audio-Interviews übernommen. Die Zitate können daher grammatikalische Fehler enthalten.