„Return on Education entscheidet“

Weiterbildung. WIFI Österreich Institutsleiter Michael Landertshammer erklärt, wie Lernen nachhaltig wirkt. Von Nikolaus Koller.

Die Presse: Bildung ist in aller Munde, vor allem das Thema Bildungskarenz. Ist dieser Trend nur ein Ausdruck des durch die Krise angespannten Arbeitsmarktes oder wird der Trend auch den Konjunkturaufschwung mittragen?

Dr. Michael Landertshammer: Die Krise hat natürlich etwas bewegt. Die Zahl der Teilnehmer der Bildungskarenz hat sich in dieser Zeit vervierfacht (von etwa 1200 Personen 2008 auf rund 4900 letztes Jahr, Anm.). Sie wird wieder leicht zurückgehen, aber die Frage der Weiterbildung – vor allem der beruflichen – wird immer wichtiger. Grund dafür ist der Strukturwandel in der Wirtschaft.

Wie macht sich dieser bemerkbar?

Bereits jetzt sind über 70 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich tätig. Das war vor zehn Jahren noch vollkommen anders. Wir erleben eine Phase der Internationalisierung, die erst am Anfang steht. In Zukunft wird man vier bis sechs Mal das Berufsfeld wechseln. Dazu kommt die demografische Entwicklung. Bis 2020 wird es 240.000 Erwerbstätige weniger unter 45 Jahren  geben. Die über 45-Jährigen werden um 130.000 zunehmen. Die Zielgruppe der über 45-Jährigen, bei denen im Allgemeinen die Weiterbildungsbereitschaft sinkt, wird größer. Dies wird eine wichtige Herausforderung für das Lernen.

Die Zahl der Weiterbildungsanbieter steigt ebenso wie die der Weiterbildungswilligen. Tummeln sich da nicht auch einige schwarze Schafe?

Es gibt immer schwarze Schafe – in jeder Branche. Das gilt natürlich auch für den Weiterbildungssektor. Wichtig ist daher, dass der Interessierte den Anbieter nach relevanten Kriterien  auswählt. Weiterbildung ist eine Investition, daher sollte man sich genau ansehen, für welche man sich entscheidet. Der Preis spielt bei Auswahl nicht die entscheidende Rolle. Nicht automatisch ist etwas, dass besonders teuer ist, auch besonders gut. Entscheidend ist, ob es zu einem „Return on Education“ kommt. Dies entscheidet sich schon bei der Auswahl des Programms.

Wer sollte in Unternehmen verantwortlich für Weiterbildung sein?

Weiterbildung stellt eine Herausforderung für Führungskräfte wie auch Mitarbeiter dar. Idealerweise wird eine Balance dafür bei Mitarbeitergesprächen gefunden. Dort werden gemeinsam Ziele vereinbart. Bildungscontrolling, das allerdings erst in etwa 15 Prozent der Betriebe umgesetzt wird, spielt natürlich eine große Rolle. Das setzt aber voraus, dass es klare Ziele für die Weiterbildung gibt. Man kann ja nur etwas überprüfen, was man vorher festgelegt hat. Sonst lässt sich auch nicht die Nachhaltigkeit im Lernen sicherstellen.

Wie kann ich sicher gehen, dass mein Weiterbildungsprogramm nachhaltig wirkt?

Unternehmer und Mitarbeiter sind in einem laufenden Austauschprozess und sich gemeinsam weiterentwickeln. Der Arbeitgeber muss Interesse an der Weiterbildung des Mitarbeiters haben. Derzeit tragen bei 45 % der WIFI-Kunden die Weiterbildungskosten ganz oder teilweise das Unternehmen.

Im Rahmen ihres neuen Bildungsprogramms nennen Sie das die „Schlüsselqualifikation Selbstlernkompetenz“.

Wenn ich darauf warte, dass mir gesagt, wird, was ich lernen muss, werde ich weniger Chancen haben, als wenn ich es selbst in die Hand nehme. Mitarbeiter benötigen daher „Intrapreneurship“, damit meine ich das unternehmerische Denken der Mitarbeiter. Innovation kommt nur von experimentierfreudigen Menschen. Genau darauf zielt auch unser neues WIFI-Lernmodell ab, welches wir österreichweit gerade implementieren.

Fünf Kriterien für Weiterbildung

Wer sich weiterbilden will, der steht meist einer unüberschaubaren Zahl von Anbietern gegenüber. WIFI-Chef Michael Landertshammer nennt im „Presse“-Gespräch fünf Auswahlkriterien.

  • Zielsetzung: Zu Beginn stehe die Frage, was mit der Ausbildung erreicht werden soll. Jede Weiterbildung sollte ein konkretes Ziel – sei es mehr Gehalt oder bessere Qualifikationen – beinhalten.
  • Trainer: Die Vortragenden sollten über praktische Erfahrungen aus dem Gebiet verfügen, das sie unterrichten. Dabei kann es auch Qualitätsunterschiede bei der Qualifikation des Trainers geben.
  • Methode: Reines Dozieren mag in einigen Bereichen unumgänglich sein. Damit sich aber nachhaltiger Lernerfolg einstellt, ist Interaktivität gefragt.
  • Abschluss: Der Anbieter sollte in der Wirtschaft anerkannt sein, damit berufliche Vorteile daraus gezogen werden können.
  • Zertifizierung: Gerade im internationalen Umfeld stellen Zertifikate eine wichtige Qualitätssicherung dar.

Interview aus der Tageszeitung "Die Presse"