Lesen Sie hier den Die Presse-Artikel zum WIFI-Bildungsgespräch auf der Personal Austria

Weiterbildung: Lernen heißt selbst lernen

Für Experten ist angesichts neuer Bildungsanforderungen ein Umdenken unter den Anbietern gefragt. Ziel einer modernen Bildungseinrichtung müsse es sein, die Selbstlernkompetenz der Lernenden zu entwickeln. Von Patrick Baldia.

"Der Bedarf nach lebenslangen Lernen nimmt ständig zu“, so Michael Landertshammer, Institutsleiter des Wifi Österreich. Gleichzeitig würde auch die Zahl der Lernmöglichkeiten zunehmen. Ziel einer modernen Bildungseinrichtung müsse es sein, die Selbstlernkompetenz der Lernenden zu entwickeln. Denn das Anforderungsprofil in der Wirtschaft habe sich geändert: Fachwissen wird vorausgesetzt, Zusatzkompetenzen sind das, worauf es ankommt. „Innovative Unternehmen brauchen innovative Mitarbeiter“, bringt es Landertshammer auf den Punkt.

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Wie Sie als Single mit dem Persönlichkeitstest von diepresse.com/partnersuche Ihren Traumpartner finden. Mehr Infos. » An fehlende Motivation glauben Bildungsexperten nicht. Sie sei zwar vorhanden, müsse jedoch erst geweckt werden. „Es geht darum, den Menschen respektvoll und wertschätzend gegenüberzutreten“, meint etwa Rolf Arnold, Professor für Berufs- und Erwachsenenpädagogik der TU Kaiserslautern.

Nur wenn man den Menschen wie ein selbstverantwortliches Wesen behandelt würde er es mittelfristig auch werden. Eine „Lernkultur der Rechthaberei“ – wie sie aus undemokratischen Zeiten bekannt ist – sei heutzutage absolut fehl am Platz.

„Lernerfolge sind nicht zu erzwingen“, so Arnold weiter. Von dieser systematischen Einstellung müssen viele Lehrende endlich abkehren. Wichtig wäre es stattdessen, Gelassenheit an den Tag zu legen und den Lernenden auch eine gewisse Autonomie zu gewähren. „Lernen heißt selbst lernen. Das Individuum kann sich schließlich nur selbst befreien“, so der Bildungsexperte. Dass sich Erwachsene heute ständig weiterbilden, müsse man einfach anerkennen. Geschätzte 80 Prozent der Kompetenzen würden heute außerhalb von Bildungseinrichtungen erworben werden.

Lernräume müssen gestaltet werden

Klassische Klassenzimmer haben nach Angaben des TU-Kaiserslautern-Professors auch ausgedient. Wichtig sei es, dass Lernräume gestalt- und veränderbar und mit neuen Technologien ausgerüstet sind, die etwa auch visuelle Kommunikation ermöglichen. Gut vorstellen kann sich der Experte auch virtuelle Räume, in denen die Studenten Erfahrungen machen können. „Eine Blaupause gibt es allerdings nicht. Die Begleitschritte sollen auch aus der Situation heraus inszeniert werden.“

Am Wifi sieht man sich erst am Beginn eines Prozesses, der bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen kann. Mit dem Lernmodell Lena (für lebendig und nachhaltig, Anmerkung) will man den neuen Bildungsanforderungen Rechnung tragen. Konkret sollen damit die Lernenden, ihre Lernprozesse und vor allem die Stärkung ihrer Selbstlernkompetenz in den Mittelpunkt gestellt werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei laut Landertshammer den Trainern zu. Sie sollen sich zum „Lernbegleiter“ weiterentwickeln.

Aufgabe des Lernbegleiters ist es, für die Lernenden eine motivierende Lernumgebung zu schaffen. Landertshammer strebt eine Zertifizierung für Wifi-Trainer an, „die die Kompetenzen des Einzelnen in einen gewissen Bereich aufdecken soll“. Er kann sich nach eigenen Angaben in diesen Zusammenhang auch Kennzahlen vorstellen. Insgesamt sei das neue Lernmodell kein abgeschlossenes Projekt, sondern vielmehr eine Haltung.

Für Arnold ist es höchst an der Zeit, dass von Bildungsansprüchen Abstand genommen wird, die nicht eingelöst werden. „Warum halten wir daran fest, wenn es wenig bringt?“, fragt der Experte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2010)