„Alles digital oder emotional?“

  • Ausgebuchter WIFI-Trainerkongress am wko campus wien
  • Keynotes von Neurophysiker Werner Gruber und Mimik-Experten Dirk W. Eilert
  • 12 “WIFI-Thek-Angebote“ zum Erweitern eigener Methoden-Repertoires 

Die Digitalisierung ist längst in der Erwachsenenbildung angekommen:  Immer mehr Trainer/innen setzen auf Lern-Apps, digitale Lern-Plattformen und virtuelle Klassenräume. Doch wie gelingt es, dass dabei die für das Lernen so wichtigen Emotionen nicht auf der Strecke bleiben? Wie lässt sich digital und emotional wirksam verbinden? Diese Themen wurden beim diesjährigen WIFI-Trainerkongress intensiv diskutiert.

Digitales Lernen mit Emotion live erleben

Trainerkongress 2017 Der Experte für emotionale Intelligenz Dirk W. Eilert zeigte gleich zu Beginn des Trainerkongresses sehr anschaulich, was Mimik über unsere Gefühle verrät. Er plädierte für ein digital UND emotional, denn Emotionen kann man nicht via App downloaden – dazu braucht es natürlich den Menschen. Daher ist für ihn der Faktor Mensch auch im Training bzw. in der Weiterbildung trotz Digitalisierung nicht wegzudenken. Es wird aber immer wichtiger die nonverbalen Signale seines Gegenübers zu erkennen und richtig zu deuten. Sind die Teilnehmer/innen in Trainings noch interessiert bei der Sache oder nicht. Hier gab Eilert viele praktische Tipps im Umgang mit den verschiedensten Teilnehmeremotionen.

Für ihn ist das Allerwichtigste, den Menschen ins Gesicht und in die Augen zu schauen, denn, wenn wir mit jemandem sprechen und ständig auf unser Handy starren, gehen die wichtigsten Bestandteile der Kommunikation verloren – die nonverbalen Informationen in unserem Gesicht. Für Eilert ist „die Mimik die Bühne der Gefühle“ und er rät definitiv von Botox-Behandlungen ab, denn man ist zwar „glatt aber einsam“. Wichtig ist auch, dass die Mimik kulturübergreifend gleich ist, wogegen die Körpersprache, z.B. Daumen hoch in unterschiedlichen Kulturen häufig verschiedene Bedeutungen haben.

Trainerkongress 2017Zum Schluss gab es von Eilert noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: „Achten Sie auf Schiebetür-Momente!“ Wenn unser Gegenüber ein Bedürfnis ausdrückt, haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir schieben die Tür, die sich gerade öffnet, auf und treten ein oder wir ziehen sie zu und wenden uns ab. In der Hektik des Alltags werden wir nicht jeden Schiebetür-Moment positiv nutzen können. Das ist völlig in Ordnung. Geschieht es allerdings zu oft, sind wir enttäuscht und vielleicht auch verärgert. Wir gehen dazu über, unsere Bedürfnisse mehr und mehr auf nonverbaler Ebene zu formulieren. Übersehene Schiebetür-Momente stauen sich an und führen früher oder später zu einem Konflikt, der vermeidbar gewesen wäre.

Neurophysiker Werner Gruber erklärte mit der „Big Brain Theorie“, wie unser Gehirn beim Lehren und Lernen wirklich funktioniert.  Zuerst die gute Nachricht – alle Menschen haben ein Gehirn, nur viele verwenden es viel zu wenig. Wir nutzen 100 Prozent unseres Gehirns und nicht nur 10 Prozent wie oft fälschlicherweise angenommen. Die Menschen haben gelernt Muster, die sie einmal gelernt haben zu vervollständigen, auch wenn z.B. eines von drei Merkmalen fehlt. Im Zuge unserer Entwicklung lernen wir die verschiedensten Muster und die Menschen sind fähig diese Mustererkennungen zu automatisieren, denn wir tun den ganzen Tag nichts Anderes als Muster zu vervollständigen.

Unser Gehirn teilt sich in implizites und explizites Gedächtnis. Im expliziten Gedächtnis – Schulgedächtnis, Rechnen, Fakten – brauchen wir keine Trainer/innen, sondern nur Motivation um dies zu lernen. Implizites sind Sprache, Emotion und Strategien, welche uns vom Tier unterscheiden. Diese gilt es ständig zu trainieren und Gelerntes immer wieder zu üben – hier benötigt der Lernende auch Trainer/innen bzw. Lernbegleiter/innen, denn durch neue Erfahrungen bilden sich neue Synapsen und Muster können anders abgebildet werden.

Unser Unterbewusstsein nimmt uns 90 Prozent unserer Entscheidungen ab. Alle unsere Entscheidungen bewusst zu treffen, wäre für unser Gehirn gar nicht machbar.  An bewussten Entscheidungen sind rein die Gehirnareale des impliziten Gedächtnisses beteiligt. Somit ist es das Erfahrungslernen in dem wir miteinander diskutieren, in Kontakt treten und die Blickwinkel von Anderen kennen lernen, was tatsächlich Lernen und Entwickeln ermöglicht. Zum Abschluss plädierte Gruber für einen bewussten Umgang mit unseren Neuronen, denn „jeden Tag sterben ein paar tausend Neuronen – sorgen wir dafür, dass sie nicht umsonst gestorben sind.“

Aus der Praxis für die Praxis

In 12 aktivierenden Praxis-Workshops und interaktiven Vorträgen konnten die Kongressteilnehmer/innen zudem innovative Ansätze wie Lernspiele, Gamification-Elemente in Trainings, Adaptive Learning oder Online-Tutoring gleich selbst in verschiedenen Lerngruppen ganz praxisnah ausprobieren. Darüber hinaus gab es u.a. Workshops für ein aktives Emotionen-Management in Trainings und den Einsatz von Apps beim erfolgreichen Lerntransfer. Im Rahmen der begleitenden Fachausstellung gab es für die Trainer/innen neben einem Entspannungsprogramm auch viele neue Inputs und Methodenwerkzeuge für den nächsten Trainingseinsatz (u.a. Gebro Pharma, Mictrotraining, Smartwall austria GmbH).

Trainerkongress 2017Alles digital, aber bitte mit Emotionen

Weitere Highlights des WIFI-Trainerkongresses waren u.a. Graphic Recording sowie eine Live-Interaktion von „stimme.at“, bei denen emotionale Settings im Training stimmlich ausgeschöpft wurden. Bei der abendlichen Campari Lounge gab es virtuelle Ausflüge nach Bella Italia – untermalt mit den bekanntesten Italo-Hits der letzten Jahrzehnte. Dabei gab es natürlich viel Raum für Networking und „analogen“ Erfahrungsaustausch.

LENA-Magazin #Veränderung

Zum Trainerkongress ist auch das LENA-Magazin in seiner vierten Auflage erschienen. Im WIFI-Magazin rund um lebendiges und nachhaltiges Lernen geht es diesmal um Veränderung. Auf 48 Seiten dreht sich alles um den Change und Weiterbildung. Das Magazin gibt es auch online als ePaper unter wifi.at/lernen.

Save the date!

Diversity, Generationenmanagement, Gruppendynamik und lernende Organisationen – aus der Vielfalt im Berufsalltag erwachsen auch in der Weiterbildung spezielle Anforderungen. Teilnehmerorientierung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Mit diesem Thema befasst sich der nächste WIFI-Trainerkongress - am 7. Juni 2018 am wko campus Wien.

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