Anfang November übernahm der oberösterreichische Steuer- und Unternehmensberater Mag. Markus Raml (43) das Amt des Kurators des WIFI Österreich. Sein Fokus liegt auf dem Schaffen von Anreizen für lebensbegleitendes Lernen, einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren für die Wirtschaft. Raml befindet sich damit theoretisch auf einer Linie mit der österreichischen Bevölkerung, wie das aktuelle IMAS-Weiterbildungsbarometer zeigt. In der Praxis besteht noch Handlungsbedarf.

Die Bedeutung von lebenslangem Lernen (LLL) ist hierzulande beinahe unumstritten: 87 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher erachten dieses als sehr wichtig bzw. einigermaßen wichtig. Das ergab das für Österreich repräsentative Weiterbildungsbarometer 2015 des IMAS-Instituts im Auftrag des WIFI, für das im Herbst 1.002 Österreicher/innen über 16 Jahre befragt wurden.

IMAS Weiterbildungsbarometer
V.l.n.r. IMAS-Research Director DDr. Paul Eisenberg, WIFI Österreich-Kurator Mag. Markus Raml und WIFI Österreich-Institutsleiter Dr. Michael Landertshammer. 

LLL ist ausbaufähig

„In der Realität hapert es allerdings“, kommentiert der neue WIFI Österreich-Kurator Mag. Markus Raml anlässlich seiner Antrittspressekonferenz am 10. November vor Medienvertreterinnen und Medienvertretern die Studienergebnisse. Denn von jenen Befragten, die lebenslanges Lernen sehr wichtig finden, hat nur ein knappes Viertel dieses nach eigenen Angaben bereits stark umgesetzt. Gefragt nach den Hauptzielen im Leben, standen ein harmonisches Familienleben und ein sicherer Arbeitsplatz ganz oben, während der Drang nach Wissen eher gering ausgeprägt zu sein scheint. 

Pressekonferenz WIFI IMASWettbewerbsfaktor Weiterbildung

Laut Studie gaben außerdem nur 27 % der Befragten als Lebensziel an, vieles zu wissen und neugierig bleiben zu wollen, und nur 13 % wollten lebenslang lernen und sich beruflich weiterbilden“, so Raml. „Genau hier müssen wir ansetzen. Dank dem rasanten Fortschritt wissen wir heute nicht, was wir morgen wissen müssen. Die Grundausbildung eines Menschen reicht schon lange nicht mehr, um beruflich nachhaltig erfolgreich zu sein. Ohne stetige Weiterbildung können wir in unserer dynamischen, hoch technologisch geprägten Wissensgesellschaft nicht reüssieren!“

Lernen lernen am WIFI

Mit den Änderungen in der Arbeitswelt muss sich auch die Bildungswelt ändern. Menschen brauchen heute Handlungs- und Problemlösungskompetenz, um unternehmerisch denken und innovativ agieren zu können. Das mit wissenschaftlicher Unterstützung entwickelte WIFI-Lernmodell LENA  (LEbendig und NAchhaltig) begleitet die Lernenden mit modernen Methoden dabei, sich Know-how nachhaltig selbst zu erarbeiten. Damit stärken die Teilnehmer/innen ihre Selbstlernkompetenz und ihr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Das WIFI geht mit dem neuen Lernen voran und setzt Maßstäbe“, freut sich Raml. „Als WIFI-Kurator ist es mir ein Anliegen, Menschen weiter in ihren Lernbestrebungen zu bestärken, Leistungsbereitschaft wertzuschätzen und eigenverantwortliches Denken und Handeln zu unterstützen.“ 

Appell an die Politik: Anreize schaffen

Lebenslanges Lernen ist für Raml Pflicht, nicht Kür. Der neue WIFI Österreich-Kurator richtet daher gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Landertshammer, Institutsleiter WIFI Österreich, klare Forderungen an die Bildungspolitik: Anreizsysteme für Weiterbildung müssten ausgebaut werden. Konkret seien Bildungsprämie und Bildungsfreibetrag für Unternehmen wieder einzuführen und das Bildungskonto für Einzelne endlich zu realisieren. Eine weitere Forderung betrifft den Einsatz von  lehrenden Expert/innen in der beruflichen Erwachsenenbildung: dieser müsse nebenberuflich und flexibel möglich sein. „Nur die nebenberufliche Vortragstätigkeit von Expert/innen aus der Wirtschaft auf selbstständiger Basis oder in Form freier Dienstverträge sichert den Know-how-Transfer zwischen Unternehmen und beruflicher Weiterbildung.“ so Landertshammer. Nur so könne letztlich die WIFI-Prämisse „Aus der Praxis, für die Praxis“ gewährleistet sein. 

Alle Fotos: © Manfred Burger