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Vertrauen ist die Basis für Lernen und Zusammenarbeit. Doch wie kann man es aufbauen und bewahren?
Expert:innen aus Bildung, Wirtschaft und Medien diskutierten darüber beim EXPERTtalk.
Teilnehmer:innen (v.l.n.r.)
- Daniela Soykan-Tober – Moderation
- Lukas Cela-Goldgruber – Leiter Lehrlingsmanagement, Wiener Linien
- Silvia Faulhammer – Trainerin in der Erwachsenenbildung (WIFI Salzburg), Expertin für Kommunikation & Körpersprache, Beraterin und Coachin
- Martin Scholz – Geschäftsführer, Zuckerlwerkstatt GmbH
- Sebastian Hofer – Diplomierter Trainer in der Erwachsenenbildung
- Franz Zeller – ORF-Redakteur (Ö1), Ressortleiter „Wissenschaft und Innovation“, Moderator von „Digital.Leben“, Krimiautor
Wo ist Vertrauen wichtig?
Sebastian Hofer: Vertrauen ist in jedem Bereich wichtig – privat wie beruflich. Es basiert immer auf Gegenseitigkeit. Auch in der Technik braucht es Vertrauen.
Silvia Faulhammer: Vertrauen beginnt immer bei mir selbst. Kommunikation ist die Grundlage – verbal und nonverbal. Ein abgewandter Körper signalisiert Distanz, ein wohlwollender Blickkontakt fördert Vertrauen.
Martin Scholz: Vertrauen hängt eng mit Kommunikation zusammen. In Unternehmen führen Missverständnisse schnell zu Verunsicherung.
Franz Zeller: In der Öffentlichkeit gibt es eine deutliche Vertrauens-Erosion durch Desinformation. Vertrauen ist die wichtigste Währung der Demokratie. Öffentlich-rechtliche Medien müssen hier Gatekeeper sein.
Lukas Cela-Goldgruber: In der Weiterbildung – besonders bei Jugendlichen und Umschulenden – ist Vertrauen essenziell: in die Organisation, in Inhalte und in die Gruppe.
Wie baut man Vertrauen im Lernen auf?
Silvia Faulhammer: Lernen erfordert Vertrauen auf mehreren Ebenen: in mich selbst, in die Lehrperson, in die Inhalte, in die Gruppe und in den Sinn des Lernens. Zu Beginn eines Lehrgangs schafft sie gezielt einen Rahmen, der Vertrauen stärkt – etwa durch Teambuilding.
Silvia Faulhammer: Eine konkrete Methode ist das Credo-Skribbeln: Die Gruppe entwickelt gemeinsam ein Credo für den Lehrgang – das schafft Verbindung.
Sebastian Hofer: Ich nutze nur Methoden, die mir sympathisch sind. Die Teilnehmenden spüren sofort, wenn Trainer:innen nicht dahinterstehen.
Lukas Cela-Goldgruber: Durch lange Ausbildungszeiten – etwa bei den Wiener Linien – bleibt mehr Zeit für den Vertrauensaufbau. Kennenlerntage und Teamübungen unterstützen das. Erwachsene bringen jedoch verschiedene Biografien mit; diese Vielfalt muss aktiv eingebunden werden.
Sollten Lehrende oder Führungskräfte Selbstvertrauen fördern?
Franz Zeller: Ja. Ein Vorschussvertrauen ist nötig, damit sich Menschen bewegen und entwickeln. ohne Loslassen gibt es kein Wachstum.
Silvia Faulhammer: Vor Entwicklung steht oft ein Konflikt. Für konstruktive Konfliktlösung braucht es Vertrauen – und eine positive Fehlerkultur.
Martin Scholz: Es muss erlaubt sein, Fragen zu stellen. Wissen sollte innerhalb eines Unternehmens aktiv geteilt werden – und auch von außen aufgenommen werden.
Wie haben neue Medien die Sprache – und damit Vertrauen – verändert?
Franz Zeller: Podcasts haben Sprache persönlicher gemacht. Dadurch entsteht Kommunikation auf Augenhöhe, die Vertrauen schafft.
Kann man KI vertrauen?
Martin Scholz: Egal ob Mensch oder Maschine – Informationen müssen überprüft werden.
Lukas Cela-Goldgruber: KI kommuniziert sehr empathisch und wertschätzend – das erzeugt oft zu viel Vertrauen. Es braucht Selbstvertrauen, um KI zu hinterfragen.
Silvia Faulhammer: KI kann Trainingsmethoden liefern – aber der Lernraum gehört der Trainer:in. Sie muss vermitteln, sodass die Gruppe ihr vertraut.
Franz Zeller: Provokant gesagt: Wir mögen KI, weil sie unterwürfig ist. Doch Konfrontation und kritisches Denken sind wichtig für echte Weiterentwicklung.
Sebastian Hofer: KI ist hilfreich für Ideen – aber nicht für Fakten. Für Faktenrecherche darf man ihr nicht vertrauen. Teilnehmende müssen KI-Informationen belegen.
LENA-Magazin
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