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Lernen & Leben

Berufliche Neuorientierung ab 40: Warum es nie zu spät ist

Darf ich mit 40 plus noch mal beruflich jemand anderer werden? Ja! Unbedingt. Der Zeitpunkt ist gar nicht so schlecht, wie es fürs Erste vielleicht scheint. 

Es gibt diese Veränderung im Leben, die nicht laut daherkommt. Keine dramatische Film-Szene, in der die stets angepasste Frau für ihr Buch-Cafe ihren Job kündigt und komplett von vorne anfängt, neuer Mann inklusive. Kein alles auf den Kopf stellendes Burnout, das sie weinend in die Knie zwingt. Nein, einfach nur ein dumpfes Gefühl, das mit der Frage anklopft: „War das schon alles?“ „Bin ich überhaupt noch die, die ich einmal war - die ich eigentlich sein wollte?“ 

Wir leben nur einmal

Gerade ab 40 oder 50 passiert bei vielen etwas Spannendes. Sie haben viel geschafft, viel auf die Beine gestellt: Beruf neben den Kindern. Die Familie durch die süße Kleinkinderzeit und weniger süße Pubertät manövriert. Die viele Verantwortung dazwischen getragen. Den Haushalt und den Garten sowieso.

Sie haben immer funktioniert. Aber irgendwann meldet sich neben den ersten körperlichen Wehwehchen etwas, das lange im Hintergrund war: die eigene Endlichkeit. So komisch das auch klingt, so wahr ist es. Denn, da poppt es auf: dieses vielleicht letzte Zeitfenster, in dem wir noch fit und veränderungsbereit sind. Nicht als Krise, sondern als Einladung. 

Nicht neu erfinden, neu entdecken

Weiterbildung in der Lebensmitte ist nicht bloß Karriere-Optimierung. Es geht um etwas Tieferes. Nämlich noch mal Sinn in der Arbeit zu suchen, Selbstwirksamkeit zu erleben und vielleicht sogar Teile einer neuen Identität, die bisher schlummerte, hervorzuholen. Sich dabei nochmal so richtig und von einer kompett anderen Seite her zu spüren.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Unser Gehirn bleibt viel länger lernfähig, als man früher dachte. Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern, funktioniert auch mit 45, 52 oder 61. Vielleicht lernst du sogar klüger als mit 25: fokussierter, bewusster und mit echter Motivation. 

Ja, ich will Persönlichkeitsbildung anpacken!

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In einem modernen Büro führen zwei Frauen ein Gespräch im Vordergrund, während im Hintergrund weitere Personen in einer Besprechung sitzen.

Neues lernen, Altes loslassen

Oft scheitert Weiterbildung nicht am Kursangebot. Sondern an inneren Sätzen wie „Dafür bin ich zu alt“.

Diese Gedanken sind verständlich. Dabei handelt es sich aber nicht um die Realität, sondern um zähe Programmierungen, die einen vom Tun abhalten.

Stelle die besseren Fragen: Was interessiert mich wirklich? Was habe ich zu sehr zurückgestellt? Welche Version von mir möchte ich in den nächsten zehn Jahren noch leben? 

Entwicklung gönnen ist kein Luxus

Viele Menschen gönnen anderen alles, nur sich selbst nichts. Und irgendwann kommt dann die Kurskorrektur. Bei Frauen nicht zufällig in der Zeit zwischen 40 und 50. Genau dann wenn das Oxytocin, das Kümmerhormon, rapide abfällt. Erst dann scheint es vielen zu gelingen, den Fokus nach dem Aufwachsen der Kinder und der erklommenen Karriereleiter des Mannes wieder auf sich zu stellen.

Endlich möchte man meinen. Für viele ist es ein richtiger Befreiungsschlag, dass sie endlich Zeit fürs Lernen, Geld für einen Lehrgang oder Energie für einen beruflichen Richtungswechsel mobilisieren können. Oder einfach das Recht, nochmal Anfänger:in zu sein.

Die Reise zu sich selbst

Fühlt sich das erste Nachdenken über eine andere Zukunft erstmal gut an, unbedingt dran bleiben. Auch wenn es kein schnelles Abbiegen wird, sondern eine offene Reise. Auch wenn du niemand anderer wirst. Vielleicht wirst du mehr du.

Für all jene, die noch beim Brainstormen sind, haben wir eine kleine Checkliste zur Inspiration zusammengestellt.

Bleib neugierig!

Du musst heute noch nicht wissen, ob du eine komplette Umschulung machst. Frag dich zuerst: Worüber lese ich freiwillig? Was zieht mich an? Was fällt anderen auf an mir, was mir vielleicht gar nicht so bewusst ist?

Blockiere dich nicht mit Perfektion. Du brauchst nicht gleich alles beherrschen, macht es dir Freude wirst du ohnehin reinwachsen. Frag dich eher, was brauchst du zum Zufrieden-Arbeiten. Menschen oder Ruhe,Struktur oder Freiheit, praktische oder Kopfarbeit? 

Mach eine Liste mit „Das bin ich“

Schreib alles auf was dich ausmacht. Kleinigkeiten wie den zitronengelben Nagellack, deine Bienenwachs-Kerze zum Kaffee, diese kleine Tanzeinlage beim Lieblingslied mit der besten Freundin, dein Topfenaufstrich mit Wildkräutern, auf den in der Arbeit alle geflogen sind, dein Enkelkind, das deine erfundenen Fantasie-Geschichten liebt. Ergänze sie laufend und fühl weiter in dich rein. Gibt es einen roten Faden, was macht dich besonders aus? 

Teste klein statt perfekt

Ein Online-Kurs, ein Wochenendseminar, ein Webinar, ein Gespräch mit jemandem aus dem Bereich: Du musst nicht sofort alles umkrempeln. Mini-Schritte sind oft nachhaltiger als Radikalentscheidungen. Sie können dir ein Gefühl für dein neues berufliches Ich liefern und zeigen dir neue Seiten, in die du mal reinfühlen kannst. Auch hier gilt, aufschreiben, siehe oben. 

Trau dich, die Außenwirkung ist besser als du befürchtest

Ja, es kann unangenehm sein, wieder Anfänger:in zu sein. Aber genau da beginnt Entwicklung. Wer mit 50 noch bereit ist zu lernen, wirkt nicht „hinterher“, sondern beweglich, mutig und zeitgemäß. Lerne dabei gleich, dass es egal ist was die Zweifler denken. Du magst auch nicht alle Leute.

Achte auf deine Energie, nicht nur auf den Lebenslauf

Nicht jede Weiterbildung muss sofort „nützlich“ sein. Manchmal ist ein Kurs dann richtig, wenn du danach denkst: „Ich fühle mich wieder mehr wie ich selbst.“ Es kann ein Impuls sein für weitere Schritte und Bekanntschaften, die dir den Weg ebnen. Fast nichts ist umsonst.

Such dir ein Umfeld, das dich nicht klein hält.

Manche Menschen feiern deine Entwicklung. Andere werden nervös, wenn du dich veränderst. Beides sagt mehr über sie als über dich. Weihe anfangs nur die engsten Leute ein, die an dich glauben, wenn du eine kleine Fan-Gruppe hast ist es leichter den Skeptikern die Stirn zu bieten.

Fang klein an.

Es muss nicht gleich ein großer Wurf werden. Starte mit einem Testballon, einer temporären Aktion, etwa einem Pop up Store. Investiere nicht zu viel Geld, auch Improvisation hat Charme. Wenn Freund:innen dich anfangs begeistert unterstützen, wird es weitere Kreise ziehen. Nutze Social Media und rede darüber.