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Führung im Tourismus: Mehr als ein guter Kellner sein

Zwischen Service, Stress und Leadership: Was gute Führung ausmacht

Was macht gute Führung im Tourismus aus? Silvia Tiemann hat darauf eine klare Antwort: Es beginnt mit dem richtigen Handwerkszeug für junge Führungskräfte. Die Unternehmensberaterin und systemische Business-Coach blickt auf über 20 Jahre Erfahrung in der Hospitality-Branche zurück. Im Interview verrät sie uns, wo modernes Leadership im Tourismus ansetzt. 

„Ein guter Kellner ist nicht automatisch ein guter Restaurantleiter. Da gehört einfach viel, viel mehr dazu", sagt Silvia Tiemann. Junge Führungskräfte können im Tourismus schnell aufsteigen. Häufig werden sie aber nicht ausreichend auf ihre Rolle vorbereitet.

Woran es hapert? Kommunikation. „90 Prozent der Führung ist Kommunikation", so Tiemann – u. a. Augenhöhe einnehmen, Perspektivenwechsel durchführen, aktives Zuhören, konstruktives Feedback.

Was Führung im Tourismus besonders macht

Natürlich gibt es universelle Führungswerkzeuge: u.a. klare Zielvereinbarungen, Vorbildwirkung oder situatives Führen. Diese gelten branchenübergreifend. Im Tourismus kommen jedoch einige entscheidende Besonderheiten hinzu.

Erstens: Die Mitarbeitenden sind Teil des Produktes.

„Es geht ja nicht nur um das Zimmer oder das Essen an sich, sondern darum, wie man den Aufenthalt erlebt und welches Gefühl sich im Gast einstellt.  Gute Führung erkennt man, auch wenn die Führungskraft nicht anwesend ist." Welche Eigenverantwortung Mitarbeitende in sich tragen, welche Entscheidungsfreiheit sie haben – das alles ist für den Gast unmittelbar spürbar.

Zweitens: Emotionale Arbeit als Dauerzustand.

Mitarbeitende in der Hotellerie und Gastronomie müssen immer freundlich und geduldig sein – egal wie es ihnen persönlich geht. Tiemann betont, dass diese emotionale Belastung großen Einfluss auf Erschöpfung, Motivation und letztlich die Servicequalität hat. Führungskräfte, die das erkennen und aktiv gegensteuern, machen den Unterschied.

Drittens: Operative Nähe.

Touristische Führung ist generell operativer. Führungskräfte sind meistens sehr hands-on, nah an ihren Teams dran. Troubleshooting ist ein wesentlicher Teil der Führungsaufgabe.

Hier die Brücke zu schlagen zwischen ständiger operativer Verfügbarkeit und dem Wahrnehmen der eigentlichen Führungsaufgaben macht Leadership im Tourismus besonders."

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Selbstregulierung als Kernkompetenz

Ein Thema, das Tiemann besonders am Herzen liegt, ist Selbstregulierung in Stresssituationen. „Wenn ich von außen einen Reiz kriege – sei das ein reklamierender Gast oder ein schwieriger Teamkollege –, dann habe ich die Wahl, wie ich damit umgehe."

Sie zitiert Viktor Frankl: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion." Diese Fähigkeit lässt sich trainieren – zum Beispiel in Workshops und Coachingeinheiten, was Führungskräften Entlastung bringen kann.

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Frau vor brauner Wand

Mag.a (FH) Silvia Tiemann, MBA ist Unternehmensberaterin, Trainerin und Systemischer Coach mit über 20 Jahren Berufserfahrung in der Hospitality-Branche – von der Schihütte bis zur 5-Sterne-Hotellerie. Sie ist zertifizierte PERMA Lead® Beraterin, diplomierte Mentaltrainerin und NLP Master Practicioner und begleitet Betriebe in der touristischen Führungskräfteentwicklung.

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