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KI-Tools können Erfahrung nicht ersetzen
Die Künstliche Intelligenz revolutioniert Prozesse, stößt aber an menschliche Grenzen. Sie basiert auf der Vergangenheit, besitzt kein Problembewusstsein - und wird die Erfahrung der Mitarbeiter:innen nie ersetzen können. Kein Wunder, dass manche Unternehmen bereits zurückrudern.
Da haben wir sie, die hochmoderne, vollautomatisierte Fabrik. Die Roboterarme tanzen in perfekter Symmetrie, Algorithmen steuern den Takt, maximale Effizienz ist die Devise. Doch plötzlich stockt das Band. Ein Sensor meldet einen Fehler, den das System nicht versteht. Die KI spuckt Standardlösungen aus, die das Problem nur verschlimmern.
In diesem Moment schlägt die Stunde des grauen Panthers: Ein erfahrener Ingenieur, der seit dreißig Jahren im Werk arbeitet, geht zum Schaltkasten, lauscht kurz am Gehäuse, zieht eine Schraube nach – und die Maschinen laufen wieder.
Dieses Bild ist keine nostalgische Träumerei, sondern die neue Realität der globalen Wirtschaft. Wir erleben gerade das Phänomen des sogenannten „Rauswurf-Bumerangs“, wie die Journalistin und Digital-Expertin Ingrid Brodnig unlängst im Standard analysierte.
Die KI kann echte Welt nicht
Das Prinzip hinter dem Begriff ist simpel wie schmerzhaft: Ein Unternehmen kündigt im großen Stil Personal, weil es stattdessen auf Künstliche Intelligenz setzt. Wenig später stellt sich heraus, dass die KI den komplexen Anforderungen der echten Welt aber gar nicht gewachsen ist. Die eben noch gefeuerte Belegschaft muss eilig und teuer wieder angeheuert werden.
Wie Ingrid Brodnig im Standard ausführt, ist dieser Bumerang-Effekt nicht nur das Ergebnis eines kollektiven KI-Hypes. Er legt die tiefen Wunden einer modernen Managementkultur offen, die permanent nach Ausreden sucht, um im großen Stil Menschen zu entlassen. Die KI dient hierbei oft als willkommener Vorwand für einen radikalen Personalabbau.
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Zuletzt machte der Automobilriese Ford mit genau einer solchen Kehrtwende Schlagzeilen. Das Management musste „350 veteran engineers“ entlassen, Klarna und der australischen Bank CBA erging es ähnlich.
Was lernen wir daraus? KI kann Daten analysieren, Texte generieren und Standardprozesse beschleunigen. Aber sie besitzt keine Kreativität, kein Gespür und gespeichtertes Wissen wenn etwas nicht wie gewohnt läuft.
Genau deshalb wandelt sich das vermeintlich „alte Eisen“ gerade zur wichtigsten Zukunftskompetenz unserer Zeit. Ältere Mitarbeiter:innen verfügen über ein immenses Wissen. Sie kennen die Systeme im Schlaf, ja auch dann wenn es nicht nach Lehrbuch läuft.
Produkt ohne Sicherheitslücken
Ein Teil des Problems ist die Überschätzung einzelner KI-Anwendungen. Der Informatiker Andrej Karpathy, der beim KI-Unternehmen Anthropic arbeitet, sagt: "Bei manchen Tätigkeiten, Jobs und so weiter gibt es eine enorme Lücke zwischen Demo und Produkt, wo die Demo zwar sehr leicht zu erstellen ist, das fertige Produkt aber sehr schwierig."
Das zweite, noch signifikantere Problem: Es geht hier auch um Quartalszahlen. Gerade Kündigungen mit Verweis auf die KI können am der Börse belohnt werden. Aber das heißt nicht, dass derartiger Personalabbau sinnvoll ist.
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Hinzu kommt eine gefährliche, schleichende Abhängigkeit von US-Tech-Giganten. Indem wir ihre Sprachmodelle nutzen, füttern wir intransparente Systeme, deren Gewichtungen und Algorithmen strikt geheim gehalten werden.
Für Staat und Wirtschaft birgt das immense Risiken: von Fehlern (Halluzinationen) über den sogenannten Automation Bias (die blinde, unkritische Überleitung der Verantwortung an Maschinen) bis hin zum Verlust der eigenen Datenhoheit, so Brodnig. Europa sollte eigene Betriebssysteme entwickeln auf denen Open Source-basierte Software läuft und Daten auf Servern im jeweiligen Land halten.
Ein weiteres Problem der Zukunft: Zu viele Menschen werden sich auf die KI herausreden wollen. Sie werden bequemer und - à la lounge - dümmer.
Die unsichtbaren Kosten
Und noch etwas könnte uns Sorgen bereiten: Der horrende Zusatz-Energieaufwand und die dafür benötigten Ressourcen sind mit nichts zu rechtfertigen. Angeblich braucht eine KI-Anfrage einen halben Liter Kühlwasser, ein schier unfassbarer Zusatzaufwand in Zeiten einer ungelösten Klimakrise.
So gelingt die KI-Symbiose: 4 Tipps für Unternehmen
Damit der KI-Bumerang Dein Unternehmen nicht trifft, solltest du die neue Technologie als das betrachten, was sie ist, ein nützliches Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger.
- Tandem-Teams bilden: Jüngere Digital Natives und KI-Systeme gezielt mit erfahrenen „Veteranen“ in Projekten zusammenbringen.
- Erfahrungswissen digitalisieren: Ältere Fachkräfte als Trainer für die KI einsetzen, um Algorithmen mit realem Kontextwissen zu füttern.
- Mensch als Letztinstanz: KI-Systeme nur als Assistenz nutzen und kritische Freigaben sowie die finale Interpretation immer in Menschenhand belassen.
- Fehlerkultur stärken: Komplexe Ausnahmefälle systematisch erfassen, die nur durch menschliche Intuition und nicht durch Standard-Algorithmen gelöst werden konnten.
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