Als Professor für Pädagogik an der TU Kaiserslautern begleitet er tausende Studenten. Gerade deshalb fordert und fördert er das selbstgesteuerte Lernen. Sein Name:

Arnold:
Rolf Arnold

Musikalische Überleitung

Moderation II:
Beruf?

Arnold:
Professor

Moderation II:
Wohnort?

Arnold:
Kaiserslautern

Moderation II:
Alter?

Arnold:
59

Moderation:
Das WIFI setzt mit LENA, das für lebendig und nachhaltig steht, auf ein aktivierendes Lernmodell. Als Maßstab dafür gilt der SPASS-Raster. SPASS steht für selbstgesteuert, produktiv, aktivierend, situativ und sozial. Wenn diese fünf Faktoren eintreffen, macht das Lernen auch tatsächlich Freude.

Arnold:
Lernen ist selbstgesteuert und sozial. Und darüber hinaus gibt es noch andere Charakteristika. D.h., alle Faktoren müssen irgendwie zusammenkommen. Lernen ist auch nicht gleich Lernen. Es gibt Bereiche, da muss ich mir Dinge selbst einprägen. Da hilft mir die Interaktion mit anderen nicht unbedingt, alles so einzuprägen, wie es nötig ist. Es gibt Bereiche, die kann ich überhaupt nicht verstehen, wenn ich sie nicht mit anderen erörtere. Von daher bin ich ein großer Anhänger dieses SPASS-Modells, weil das die fünf Punkte markiert, auf die wir achten sollen, damit Lernen nachhaltig gelingt.

Moderation:
Prof. Arnold begleitete die Entwicklung von LENA aus wissenschaftlicher Sicht. Die Aufgabe des WIFI sieht Arnold darin, die Kurs- und Lehrgangsteilnehmer in diese Richtung zu unterstützen, ohne Hilfe zurechtzukommen. Dabei hat er ein konkretes Idealbild vor Augen: Die Teilnehmer sollen zu kompetenten Lernern werden.

Arnold:
Ob und in welcher Form sie in Vorlesungen gehen oder ob sie selbst Studienangebote nutzen oder ob sie über E-Learning eine Vorlesung einer anderen Universität besuchen, das ist ihre souveräne Entscheidung. Der einzige Punkt, an dem wir uns dann mit ihnen wieder in Verbindung bringen, ist, wenn wir schauen, ob sie die Kompetenzen haben oder nicht. Wir unterstellen nicht von vornherein, dass sie die nicht haben können, weil sie nicht dort in dem Raum gesessen haben.

Moderation:
Arnold selbst nutzt zwei Methoden, mit denen er effizient und nachhaltig lernt. Zum einen sind das Wissensaudios oder Hörbücher. Dazu kam er vor Jahren zufällig bei seiner täglichen Autofahrt, als er sich Spanisch-Kurse auf Kassette angehört und nachgesprochen hat.

Arnold:
Und noch heute ertappe ich mich dabei, dass ich in der spanischen Konversation irgendeine Formulierung verwende, die ich noch genau erinnere aus diesem Nachsprechen von irgendwelchen Formulierungen. Das ist das eine. Das andere ist – das habe ich auch irgendwie selbst mir angeeignet – eine ziemlich leistungsfähige Methode, um Dinge mir einzuprägen. Um es kurz zu machen, so nach dem Motto, wie man auch mit Kärtchen Vokabeln lernen kann. So habe ich mir Zusammenhänge, Argumentationen aus meinen Wissenschaften, die ich studiert habe als Student, aufgeschrieben und mir eingeprägt. Das hat mir niemand so beigebracht.

Moderation:
Das Selbstlernen müssen wir erst wieder lernen. Dabei hat der Mensch vor Jahrhunderten sich selbst Wissen beigebracht, indem er sich selbst neue Wege erschloss. Erst später kam die Funktion des Lehrens dazu – und damit auch der Frontalunterricht. Arnold vergleicht diesen übrigens mit einer Kanzelpredigt, die keiner versteht. Dass lebendiges und nachhaltiges Lernen erfolgreich ist, belegt Arnold anhand seiner eigenen Universität.

Arnold:
Ich sage Ihnen mal, was die Feedbacks sind. Ein Feedback ist dann z. B. das: Mensch, das hat mich jetzt wirklich weitergebracht. Seitdem plane ich meine Vorlesungsbesuche, meine Mitschriften, mein Wiederaufgreifen dessen, was ich gehört habe, ganz anders. Viel wirksamer.

Moderation:
Arnold appelliert an Kurs- oder Lehrgangsteilnehmer, sich Wissen aktiv anzueignen und sich nicht nur vom Vortragenden berieseln zu lassen. Auch wenn dies zu Beginn mühsam erscheint, wenn man untertags in der Arbeit ist und sich erst am Abend weiterbildet.

Arnold:
Ich würde dringend raten – um die Vorteile des selbstgesteuerten Lernens nutzen zu können –, sich systematisch selbst mit seinen eigenen Lernfähigkeiten, seinen Lernwegen zu beschäftigen. Konkret heißt das, durchaus auch ein Training zu absolvieren, wo man lernt, wie man lernt, wie man mit Texten umgeht, wie man Texte zusammenfasst, wie man Texte versucht, mit Situationen in Verbindung zu bringen, wie man mit anderen Texte gemeinsam bearbeitet und und und. Da gibt es heute eine Reihe von guten Ansätzen und ich bin sehr zuversichtlich, dass die WIFIs oder auch die Universitäten verstärkt in diese metakommunikative Ebene gehen. Wir brauchen heute Metaskills. Warum? Weil nämlich diese konkreten Skills …, die alleine langen nicht. Ein Kollege von mir hat mal von den selbstschärfenden Qualifikationen gesprochen. Wie die selbstschärfenden Werkzeuge. So etwas brauchen wir.

Moderation:
Diese selbstschärfenden Qualifikationen fordern auch immer mehr Unternehmen von ihren Mitarbeitern. Denn Eigeninitiative, selbstständiges Handeln, das Können, theoretisches Wissen auch umzusetzen – das brauchen Sie einfach, um beruflich erfolgreich zu sein. Und lebendiges und selbstgesteuertes Lernen zuzulassen, ist der Schlüssel, die Talente jedes einzelnen zu heben.

Arnold:
Vielleicht nur mal ein Hinweis darauf: Deutschland, Österreich, Schweiz – wir produzieren 10 Prozent eines Altersjahrganges ohne irgendwelchen Bildungsabschluss. Warum? Wir sagen, die gehören zu denen, die die Voraussetzung nicht bringen. Es gibt Ansätze – die kann man besuchen in Deutschland –, wo diese Menschen in einen Kontext gebracht wurde, wo man anders auf sie geschaut hat und sie wurden zu Bildungsgewinnern. Es ist unser Blick, unsere Konstruktion – wie konstruieren wir uns unsere Schüler? –, die die Schüler festlegt. Und in dieser Festlegung scheitern sie dann.

Moderation:
Also, worauf warten Sie noch? Finden und entwickeln Sie ihre ganz persönlichen Lernmethoden. Sie werden entdecken: Lernen macht Ihnen nicht nur mehr Spaß, Sie haben auch mehr davon.

Musikalische Überleitung

Moderation II:
WIFI kurz und bündig

Moderation II:
Wissen bedeutet für mich?

Arnold:
Ab 13:28
Eine komplexere Perspektive auf die Wirklichkeit haben.

Moderation II:
Diese drei Dinge brauche ich für gutes Lernen?

Arnold:
Wertschätzung, Begleitung und Anwendungs- und Übungsmöglichkeiten.

Moderation II:
Drei Eigenschaftswörter, die mich beschreiben?

Arnold:
Aktiv, engagiert, heiter.

Moderation II:
Buch oder Internet?

Arnold:
Beides. Buch und Internet.